Reichweite ist gelöst. Entscheidung nicht.
Jemand nimmt sich vor, mit dem Laufen anzufangen. Er kommt in den Online-Shop, fest
entschlossen, „einen guten Laufschuh" zu kaufen und steht dann vor achtzig Modellen. Filtern
kann er nach Größe und Farbe. Die Fragen, die wirklich über den Kauf entscheiden, stellt ihm
niemand: neutral oder stützend? Wie viel Dämpfung braucht er? Was bedeutet eigentlich
„Sprengung"? Läuft er auf Asphalt oder im Wald? Er rät ein bisschen herum, legt nichts in den
Warenkorb und schließt den Tab.
Dieser Kunde war da. An ihm hat keine Reichweiten-Maßnahme gefehlt, keine Kampagne, kein
Keyword, kein Marktplatz-Listing. Er stand mitten im Shop, mit voller Kaufabsicht. Und ist
trotzdem ohne Kauf wieder gegangen.
Die teuerste Hälfte des Kaufs
Seit rund fünfzehn Jahren fließt das meiste E-Commerce-Budget in die erste Hälfte des Kaufs:
gefunden werden. SEO, Paid Ads, Marktplätze — Reichweite, Reichweite, Reichweite. Das ist
nicht falsch, aber es ist eben nur die halbe Strecke.
Denn ein Kauf hat zwei Hälften. Die erste: den Shop überhaupt finden. Die zweite: im Shop das
Richtige finden. Die erste ist hochoptimiert, teuer umkämpft und wird in jeder Marketing-Runde
durchgerechnet. Die zweite überlassen die meisten Händler dem Suchschlitz und ein paar
Filtern, also dem Kunden selbst. Genau dort, wo das Geld schon ausgegeben ist und der
Besucher am wertvollsten ist, hört die Unterstützung auf.
Kein Suchproblem — ein Entscheidungsproblem
Der naheliegende Reflex lautet: dann eben eine bessere Suche, schlauere Filter, mehr
Facetten. Aber das löst das Problem nicht, es verfehlt es.
Suche und Filter setzen voraus, dass der Kunde die Sprache des Katalogs, des Sortiments oder
generell der Produktgruppe bereits spricht. Bei kuratierten Sortimenten tut er das oft nicht. Er
kennt sein Ziel “anfangen zu laufen”, “den Hund gesund ernähren”, “das Wohnzimmer
streichen” aber nicht die Begriffe, nach denen er filtern müsste. Und je größer das Sortiment,
desto größer diese Lücke. Mehr Auswahl macht das Problem nicht kleiner, sondern größer.
Eine bessere Suchleiste optimiert deshalb das falsche Werkzeug. Sie hilft dem, der schon weiß,
wonach er sucht. Dem Unentschlossenen, und das ist der teure, kaufbereite Besucher, hilft sie
nicht.
Was den Moment tatsächlich bewegt
Was diese zweite Hälfte bewegt, ist Beratung im Moment der Frage: etwas, das aus „ich will
laufen"; die richtige Produktfrage macht und am Ende eine konkrete Empfehlung ausspricht.
Wir sehen das in den Daten der Onlineshops sehr deutlich. Besucher, die unseren KI-Berater
aktiv nutzen, konvertieren rund doppelt so häufig wie Besucher ohne Beratung. Natürlich nutzt
nicht jeder Besucher den Berater und wer es tut, ist vielleicht ohnehin entschlossener. Aber
genau das ist der Punkt: Der Moment, in dem ein Kunde eine echte Frage hat, ist der Moment,
in dem der Kauf kippen kann, in die eine oder die andere Richtung. Dieser Moment muss man
nicht dem Zufall überlassen bleiben, denn KI macht ihn gestaltbar.
Der Unentschlossene geht nicht einfach, sonder fragt woanders
Und hier wird es unbequem. Ratlose Kunden schließen heute nicht mehr nur den Tab und
vergessen das Anliegen. Sie wechseln zu ChatGPT, Gemini und Co und stellen dort die Frage,
die der Shop ihnen schuldig geblieben ist: „Welcher Laufschuh passt für einen Anfänger mit 90
Kilo, der auf Asphalt läuft?"
Die Beratung findet also ohnehin statt. Die einzige offene Frage ist, wo. Im Shop, der den
Kunden kennt und ihn direkt zum passenden Produkt führt, oder auf einer fremden Plattform,
die ihn anschließend irgendwohin schickt, nur selten zielgerichtet zurück. Wer die
Entscheidungshilfe nicht selbst anbietet, überlässt sie jemand anderem. Und gibt damit oft den
Kunden gleich mit aus der Hand.
Wo der Hebel am stärksten zieht
Beratung wirkt überall, aber nicht überall gleich stark. Am größten ist der Effekt dort, wo der
Kunde engagiert ist und wiederkehrt: im eigenen Kanal, in der Shopping-App.
Hier kommen zwei Dinge zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen. Auf der einen Seite die
Nähe der App, also höhere Frequenz, mehr wiederkehrende Besuche, oftmals größere
Warenkörbe. Auf der anderen Seite die Relevanz der Beratung im Entscheidungsmoment. Der
eine Hebel allein bringt den Kunden näher heran. Der andere allein macht den einzelnen
Besuch besser. Zusammen wird aus einem Distributionskanal ein Beratungskanal und genau
das ist der Punkt, an dem eine App aufhört, ein digitaler Katalog zu sein.
Eine App, die nur zeigt, was es gibt, lässt die zweite Hälfte des Kaufs ungenutzt. Eine App, die
berät, schöpft sie aus.
Wohin entwickelt sich dein Shop?
Vielleicht lohnt sich also eine andere Frage als die übliche nach mehr Traffic. Nämlich: Wohin
entwickelt sich eigentlich dein Shop und wo wäre der Uplift am günstigsten zu holen?
Für viele Händler liegt er nicht vor dem Klick, sondern dahinter. Bei den Kunden, die längst da
sind, die volle Kaufabsicht mitgebracht haben und trotzdem ohne Kauf wieder gehen, weil ihnen
im entscheidenden Moment niemand die eine Frage beantwortet hat.
Zum Autor
Lennart Langes, 35 Jahre, ist als SaaS Unternehmer tätig. Er betreut bei homie das Thema Partnerschaften und hat einen Hintergrund in Technologie-Management. Lennart bringt nunmehr 9 Jahre Erfahrung in Software Beratung und -Vertrieb mit. Besonders begeistert es ihn, innovative Technologien wie KI, in konkrete und wertvolle Anwendungsfälle zu übersetzen.
Zusatz: Für alle Shopgate-Kunden gibt es während der Sommerzeit einen 25% Discount auf alle homie.ai-Lizenzen (begrenzt bis Ende August 2026). Jetzt schnell sein lohnt sich, findet Lennart Langes.
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